Er ist keine 30 Jahre alt und führt eine der grössten Armeen der Welt: Kim Jong-Un. Bereits ist es den Offiziellen gegönnt worden, erklären zu dürfen, dass sie ihren neuen Führer gemeinsam mit dem Volk bis zum Tode verteidigen würden und dass sie auch als «menschliche Schutzschilder dienen würden». Der «gekrönte» Kim Jong-Un ist unser Diktator des Monats Juni 2017.

Als «Genie der Genies» wurde Kim Jong-Un kürzlich in einer Dokumentation im Staatsfernsehen gepriesen. Laut «Focus» wurde darin berichtet, dass er in seiner Jugend nur drei bis vier Stunden schlief und um zu lernen habe er Mahlzeiten ausgelassen; hierbei scheint er tüchtig nachgeholt zu haben. Bereits im Alter von 16 Jahren habe er erste Militärabhandlungen verfasst.

Laut der «Aargauer Zeitung» stehen die Streitkräfte, Regierungspartei und das Volk wie ein Mann hinter ihrem Führer: Sie würden zu «menschlichen Schutzschilden», um Kim Jong Un «bis zum Tode» zu verteidigen, hiess es in der Botschaft, die von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA verbreitet wurde.

«Armee-zuerst» wird weitergeführt

Kim Jong-Un lässt sich gleich idealisieren wie seinen Vater Kim Jong-Il und Grossvater und Staatsgründer Kim Il-Sung, deren Geburtstage zwei der wichtigsten Feiertage im Land sind. Auch kündigte der Neo-Diktator an, die «Songun»-Politik weiterzuführen. Diese «Armee-zuerst»-Doktrin – seit 2009 in der Verfassung verankert – wird als einer der Gründe für die Hungerkatastrophe gesehen, da das abgeschottete Regime die spärlichen Ressourcen hauptsächlich ins Militär steckt. Sie ist die politische Leitlinie des Landes, dies neben der Ideologie «Juche» (sprich «Dschutsche»). Diese fordert bedingungslose Loyalität gegenüber dem Land und schliesst jedes anderes System oder eine andere Religion rigoros aus.

1,15 Millionen unter Waffen

Laut CIA führt die Nuklearmacht Nordkorea die viertgrösste Armee der Welt. Nicht weniger als 1,15 Millionen Soldaten befehligt Kim Jong-Un. Satte fünf Milliarden US-Dollar steckt das Regime in seine Streitkräfte, rund ein Viertel des Staatshaushaltes. Gleichzeitig bezieht das Land Nahrungsmittelhilfe, weil mehrere Millionen Menschen hungern oder unterernährt sind.

Keine Glaubensfreiheit

Einen traurigen Rekord erreichte die Nation kürzlich: Zum zehnten Mal in Folge belegt die Nordkorea den ersten Rang auf dem kürzlich erschienen Weltverfolgungsindex. Herausgeber «Open Doors» geht auch unter dem neuen Machthaber Kim Jong-Un nicht von einer Verbesserung aus. Der 1994 verstorbene Staatsgründer Kim Il Sung muss von den Einwohnern immer noch als «ewiger Präsident» verehrt werden, auch seinem Sohn Kim Jong-Il («geliebter Führer») muss übermenschliche Ehre gezollt werden. Für April 2012 hat die Regierung zum 100. Geburtstag von Kim Il Sung ein Fest «epischen Ausmasses» angekündigt.
Arbeitslager ausgebaut

Die 200’000 bis 400’000 Christen können ihren Glauben nur im Verborgenen leben, bis zu 70’000 leben in den unmenschlichen Arbeitslagern, die laut Satellitenbildern in den letzten Monaten sogar noch ausgebaut wurden.

Auch die «Reporter ohne Grenzen» zollen Nordkorea wenig Freiheit zu: in den letzten zehn Jahren lag die Nation stets auf einem der letzten Plätze, derzeit auf Position 177 von 178 Nationen; das Schlusslicht bildet Eritrea.

Dramatischer Kurs

Wie dramatisch der Kurs ist, den Kim Jong-Un weiterzuverfolgen gedenkt, ist ein Blick in die Statistik der Lebenserwartung. In Nordkorea beträgt diese 63,8 Jahre. Im verhassten Südkorea lebt ein Mensch rund 15 Jahre länger, dort rechnet man im Schnitt mit 78,7 Jahren. Beim Erzfeind Japan sind es sogar 82,1 Jahre und auch in den nicht minder verhassten USA lebt sich’s nicht nur besser sondern auch länger, nämlich 78,1 Jahre. Gleiches gilt für China, dem gegenüber zumindest minim Tauwetter herrscht, lebt ein Mensch zehn Jahre länger, nämlich 73,4 Jahre.

Kim Jong-Un hat es in der Hand, «sein» Land in bessere Zeiten zu manövrieren oder den menschenfeindlichen Steinzeitkommunismus seiner Vorfahren beizubehalten.

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